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Kapitel 8 - Die Reise nach Kanada

 

Die Strassen dieser Zeit bestanden aus Lochblechelementen, denen es möglich war, die enormen Regenmengen abzuführen. Über die Strasse wurden die Autos zudem mit Strom versorgt. Die Strassen stellten über Solar- und Bewegungstechnik Strom her und zeigten Meldungen via LED’s direkt auf der Fahrbahn an. Kugelförmige Stachelpneus bildeten die Verbindungsstücke zwischen Auto und Fahrbahn, und machten dadurch das Fahren noch sicherer. Dies machte eine Modifizierung der wenigen noch verbleibenden, alten Autos notwendig – wollten sich die Fahrer damit weiter frei in den Innenstädten bewegen. Marthas Mercedes verfügte über diese Modifizierung, da es ihr ansonsten nicht möglich wäre, ins Hochhausdorf zu fahren.

Daniel lenkte das Auto, verärgert darüber, dass es über keinen Autopiloten verfügte, während sich Mila auf den bequemen Rücksitzen erholte.

Als sie an der Autobahnauffahrt im Stau warteten, prüfte Daniel ihre Route. Der Euroway verband die europäischen Städte mit einer Expresslinie. Wie gewöhnlich war diese Route völlig überlastet, das konnten sie vergessen. Das m-pate schlug daher vor, die drei Stunden nach Paris auf der Autobahn zu fahren – Daniel musste resigniert zustimmen. Er reservierte vorab online einen Platz auf dem Seaway, einer Expresslinie die von Paris über den Atlantik nach Kanada führte.

Auf der Autobahn konnte er den Spatenstich für das Moonaspace-Gebäude am Rande der Innenstadt beobachten. Es erstaunte ihn, dass Moonaspace sich traute, so nah an einem Insics Viertel zu bauen – schliesslich wusste man von den Expansionsgelüsten dieser verhassten Gruppe.

„Ich wusste nicht, dass Moonaspace zum Move-Konzern gehört. Ihre Macht über das Transportwesen mit ihren Zeppelinen reichte ihnen wohl nicht, jetzt brauchen sie auch noch die Kontrolle übers Weltall. Ich weiss nicht ob die wirklich so noble Absichten haben.“, meinte Mila. Dany hörte einfach über ihre Bemerkung hinweg.

Die Autobahn führte sie über eine riesige Naturzone. „Mir war gar nicht mehr klar, wie gewaltig diese Zonen sind. Es gibt weit und breit keine Autobahnabfahrt, nur beinahe wieder unberührt gemachte Natur.“, sagte Daniel.

„Und die Autobahn mitten drin. Man müsste die Menschen nicht so sehr in Städte zusammenquetschen. Andererseits braucht die Natur halt einfach ihren Raum, wir wissen ja jetzt, welches Übel uns sonst blüht.“, sprach Mila.

Die beiden unterhielten sich während der ganzen Reise und bemerkten auf einmal verblüfft, dass sie bereits nahe an Paris waren. Daniel steuerte den Wagen auf den atlantic Seaway.

Der atlantic Seaway bestand aus 20 Brücken à je drei Fahrspuren, die etwa einen Kilometer voneinander entfernt in der Nähe von Paris starteten. All diese Brücken führten über den Atlantik nach Amerika. Oberhalb jeder Brücke verlief zudem eine beschleunigte Kette, gespannt von der Westküste Europas zur Ostküste Amerikas. Flugzeuge und Zeppeline dockten an dieser Kette an, um blitzschnell übers Meer befördert zu werden.

Von der Fahrbahn aus genossen die beiden das beeindruckende Bild der vorbeiflitzenden Flugzeuge. Diese kamen sich aussergewöhnlich nahe, weil hin- und zurückfliegende Flugzeuge mit nur wenigen Metern dazwischen, von derselben Kette gezogen wurden.

Sein m-pate informierte ihn, dass der reservierte Autozug in wenigen Momenten ankommen würde und empfahl, den Autopiloten einzuschalten.

„Ha. Wenn es denn Einen gäbe...“, bemerkte Daniel während er etwas nervös wurde. Auf dem Display des m-pates erkannte er, wie sich der Autozug von hinten rechts näherte und an ihnen vorbei schoss. Daniel hielt den Wagen ganz ruhig. Ein Waggon des Autozugs liess sich zurückfallen und fuhr einen Moment parallel neben dem Mercedes. Ein Arm des Zuges hob das Fahrzeug von unten an und verschwand mit dem Auto im Waggon. Der Waggon schloss mit grosser Geschwindigkeit dem Vorderen wieder auf und sie konnten aus dem Mercedes aussteigen. Zu Fuss machten sie sich auf zur abgetrennten Ladenpassage im Innern des Zuges. Neben Restaurants und Shops befanden sich dort auch Kabinen, die als Schlafgelegenheiten dienten, sodass sich Mila und Dany etwas ausruhen konnten.

 

Daniel weckte Mila, die noch immer friedlich auf einem Klappbett in ihrer Kabine schlief. Zu Fuss gingen sie zu ihrem Auto. Neben dem Mercedes parkten zwei andere Autos auf dem gleichen Arm des Zugs. Der Arm bewegte ihre ganze Autoreihe auf die Fahrbahn hinaus und wartete bis Daniel den Mercedes auf die erforderliche Geschwindigkeit beschleunigt hatte, bis er das Auto vorsichtig zurück auf die Fahrbahn setzte. Die beiden anderen Fahrzeuge zog er zurück in den Waggon und der Autozug zog weiter.

„Der east-west-am way ist überlastet. Ich habe uns angemeldet, doch mit unserer Priorität müssen wir noch warten, und einen Zwischenhalt in Gander, Neufundland, machen. Am besten fahren wir zum Flughafen, dann können wir uns dort umziehen.“, sagte Daniel der noch immer seine Trainingskleider trug.

Ohne es zu kommentieren bemerkte Mila, dass Daniel im Zug, als sie schlief, neue Kleider gekauft hatte.

„Früher mussten die Flugzeuge hier aufgetankt werden, da ihre Reichweite für Transatlantikflüge zu gering war. Und heute drehen die Flugzeuge hier Warteschlaufen bevor sie auf den east-west-am way können. irgendwie witzig, nicht?“, sagte Daniel, der von seinen neuen Kleidern ablenken wollte. Mila schwieg weiter.

Daniel prüfte die weitere Reiseroute auf seinem m-pate und blieb bei der Stadt Ottawa hängen, ohne zu wissen warum. Kurz hatte er das Gefühl, sich an etwas zu erinnern - doch es gelang ihm nicht. Sie warteten einige Stunden in Gander, bevor sie den east-west-am way befahren durften, der sie ihrem Ziel schon ziemlich nahe brachte.

 

Mila und Daniel standen neben dem rauchenden Mercedes auf einer Geröllstrasse, irgendwo in einem kanadischen Wald. Ein Kieselstein hatte gereicht, um die störungsanfällige Umrüsttechnik ausser Gefecht zu setzen. Stachelpneus eigneten sich nicht für längere Fahrten auf diesem Untergrund und daher waren beide Vorderreifen geplatzt. Nur dank des Verbrennungsmotors waren sie überhaupt so weit gekommen – doch jetzt ging es nicht mehr weiter und das laut Navi, 25 km vor ihrem Ziel.

 

 

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