2041 St.Winterzürich | M.L. Hagmann


Kapitel 16 - Das grosse Konstruktions-Autorennen

 

Die Abstimmung fiel nicht zu Gunsten von Dionys Kontostand aus. Allegra und Dany liessen sich in einem Rolls Royce Phantom Cabrio, einem Oldtimer von 2009, zum Cityparking chauffieren. Alle VIP’s nutzten die Strasse für Ihre Anreise zu diesem Event, daher hatte man die Strasse üppig mit Blumen geschmückt und das Fussvolk konnte einen Blick auf die Berühmtheiten werfen und ihnen zujubeln. Das Winken wurde mit der Zeit zur Routine und so nutzte Allegra die Zeit, um etwas richtig zu stellen.

„Ich bin nicht so, wie ich gestern war. Du kennst mich, du weisst wie ich bin. Doch es gibt Situationen, die eigentlich nicht für einem geschaffen sind und die man dennoch bewältigen muss. Da meiner Persönlichkeit Attribute fehlen, um mich in solchen Situationen richtig zu verhalten, weil ich einfach nicht dafür geschaffen bin, füllt irgendwas meine Persönlichkeit auf, um sie bewältigen zu können. Ich wirke dann abgestumpft, auch unnahbar, gefühllos und arrogant. Ich hasse es selber. Doch ich kann die Situationen nicht umgehen, meine Familie und alles was dazugehört, existiert nun mal und ich bin ein unaustauschbarer Teil davon. Ich kann nicht fliehen, dies ist wirklich unmöglich – selbst in einer Welt in der alles möglich ist.“, sagte sie und kämpfte sichtlich gegen die Tränen an, schliesslich befanden sie sich in der Öffentlichkeit und wurden beobachtet.

Von Allegras Kälte am Vortag war nichts mehr übrig und Dany erkannte sein Gegenüber wieder. Er drückte ihre Hand und lächelte sie an.

 

Das Cityparking, welches selbst einen Streckenabschnitt des Rennens darstellte, war ausser für die VIP’s grösstenteils geschlossen. Während die beiden auf ihr Hochstadtauto umstiegen, konnten sie bereits die Präsentationen der neuesten Kreationen der Autohersteller betrachten – welche diese Plattform intensiv für Werbung nutzten.

Das Hochstadtauto brachte die beiden zu einem nahen Strassenblock, der aus 20 Hochhäusern bestand, die extra für das Rennen errichtet wurden – einen für jedes Team.

Die verschiedenen Nationen hatten ihre besten Teams geschickt, was immer auch wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dazu bewog, mitzureisen. Es gab zahlreiche hochkarätige Künstler, die ihre Werke während des Fests präsentierten. Viele beteiligten sich an der Armenspeisung, was auch Allegra und Dany zunächst taten.

Allegra schien alle im VIP Bereich persönlich zu kennen und zeigte sich wieder von ihrer besten Seite. Sie war liebenswürdig, und auch ihr Umgang mit Dany verschleierte keineswegs vor irgendjemandem wie viel sie für ihn empfand.

Es war der erste Anlass für Dany, der ein solches Ausmass annahm und den internationalen Freundeskreis der Basol-Familie anzog. Alle Menschen waren unglaublich freundlich zu ihnen und sie schienen dabei aufrichtig zu sein. Alle neuen Bekanntschaften führten diese aussergewöhnlich interessanten Leben und es war für Dany eine wahre Freude, ihren Erzählungen daraus zu folgen. Eigenartigerweise kamen ihm einige Personen unverhältnismässig vertraut vor – obschon er sie eben erst kennengelernt hatte.

 

Die beiden trafen auf Dionys, der sich gerade mit Levon unterhielt. Leider hatte Dionys sie schon entdeckt, und so liess es sich nicht umgehen, auch ein paar Worte mit Levon zu wechseln.

Levon schenkte den beiden seine volle Aufmerksamkeit und sogar Dany fühlte sich davon ärgerlicherweise geehrt. Er sah grösstenteils nur Allegra an und Dany merkte an sich selber, dass er unglaublich gespannt auf Levons Worte wartete, als er nach langem endlich den Mund öffnete – denn sie erschienen ihm hörenswert, was ihn eigentlich hätte nerven sollen. Für einmal verteilte er keine Gemeinheiten. Er sprach über sein Fahrzeug, da er einer der 20 Fahrer des Rennens war. Levon war fast anzusehen, dass er sich über das Interesse der beiden für seine Leidenschaft, ehrlich freute. Und sie waren froh, ihm das Interesse zukommen zu lassen.

 

Die beiden bestiegen einen Begleitbus, um den Hochstadtrennautos zu folgen. Während dem Rennen zu den verschiedenen Streckenabschnitten, hatte der jeweilige Fahrer für eine möglichst kunstvolle Abgaswolke zu sorgen.

Dionys war Levons Beifahrer – einer der exklusivsten und nächsten Plätze am Geschehen. Die Plätze in den wenigen Begleitbussen waren ebenfalls sehr begehrt. Einige Zuschauer verfolgten das Rennen von Zeppelinen und Helis aus, während die meisten Leute die Veranstaltung in den Hochhäusern mitverfolgten. Es wäre nicht das grosse Konstruktions-Autorennen gewesen, wenn nicht auch die Herstellung der eigentlichen Rennautos einen wesentlichen Bestandteil des Rennens ausgemacht hätte. Daher steuerten die Fahrer mit ihren Hochstadtrennautos zunächst verschiedene Ziele an, wo Teile des Rennwagens hergestellt werden mussten. Die Einzelteile wurden von der simulierten Rohstoffgewinnung, über den Fertigungsprozess, bis zum Endprodukt in Hochhäusern vor Ort hergestellt und zwar vor den Augen der Zuschauer, die teils sogar mitarbeiten durften. Vielen bereitete dieser Teil des Rennes die grösste Freude und sie beobachteten, wie aus dem Nichts, die schönsten Komponenten für die Rennautos entstanden. Das Ganze hatte auch einen gewissen Lerneffekt, denn in dieser Zeit war es den meisten Menschen grundsätzlich möglich, mit 3D Druckern selber die technischen Geräte herzustellen, die sie im Alltag benutzten – zumindest diejenigen, deren Serienproduktion bereits eingestellt wurde.

Ein weiteres Highlight stellte der anschliessende Zusammenbau der Einzelteile im Cityparking dar. Danach starteten die vor Ort neu gebauten Rennautos zu ihrem finalen Rennen auf dem Bodensee.

Die Schönheit der neuen Kreationen floss ebenfalls in die Wertung der Leistung ein.

 

Levon wurde nach der Wertung der Zeit Vierter – was eine fantastische Leistung darstellte, da er kein professioneller Rennfahrer war, sondern nur hobbyweise bei diesem Rennen antrat. Da die Basols den Event als Hauptsponsor unterstützen, ergab sich diese Möglichkeit für ihn. Als die Zuschauer sein Rennauto jedoch als das Schönste von allen kürten, hob ihn dies auf den zweiten Platz und so durfte auch er eine Champagnerdusche geniessen. Für einmal lächelte er aus Freude – nicht aus Bösartigkeit, und es stand ihm gut.

Während Levon seinen Triumph auf dem Podest genoss, schaute er auf einmal sehr bewusst Allegra und Dany an. Obschon sie es beide abstreiten würden, ehrte sie dieser Moment sehr. Levon hatte seinen Blick schon längst wieder abgewendet, als Dany sich darüber klar wurde. Er riss seinen Blick vom Podest los und zwang sich, sich stattdessen im Raum umzusehen. Er sah Dionys, wie er mit einer Frau sprach, die ihm irgendwie bekannt vorkam. Die Szene, die er beobachtete, hatte etwas Aussergewöhnliches an sich. Man merkte Dionys immer an, dass er der Boss war. Er hielt sich fast immer in Gebäuden auf, die ihm gehörten. Meist sprach er mit Menschen, die für ihn arbeiteten, oder etwas von ihm wollten. Diese Tatsache hatte ihn sehr geformt und man sah ihm dies bei allem an, was er tat. Doch während er mit dieser Frau sprach, war es anders. Sie schien mehr zu besitzen als er. Es wirkte als müsse Dionys um ihre Gunst kämpfen, was Dany nicht verstand. Er fragte Allegra, ob sie die Frau kenne. Als sie sich umdrehte, um die Frau zu sehen, waren beide schon wieder verschwunden.

 

Impressum

Texte: © Copyright by M.L. Hagmann

Covergestaltung: © Copyright by M.L. Hagmann

Alle Rechte vorbehalten.

www.mlhagmann.com 

writemlhagmann@gmail.com

 

Bildmaterialien: © Copyright by © Copyright by M.L. Hagmann

 

Alle Rechte vorbehalten.


© M.L. Hagmann


Newsletter für Neuerscheinungen, bitte hier Adresse eintragen: